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Zeittafel Otto von Bismarck (1815-1898)

Otto von Bismarck gehörte zu den maßgeblichen Akteuren der deutschen Reichsgründung.

Die Zeittafel gibt die wichtigsten Ereignisse während seines Lebens wieder.

Otto von Bismarck

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, auch Fürst von Bismarck, zählte zu den erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Politikern des 19. Jahrhunderts.

Er brachte es zum Ministerpräsidenten Preußens sowie zum Bundeskanzler des Deutschen Bundes. Auf sein Betreiben hin gelang 1871 die Gründung des Deutschen Reiches, dessen erster Reichskanzler er bis 1890 wurde.

Maßgeblich bestimmte Otto von Bismarck die Politik des neuen Deutschen Reiches. Sein rigoros konservatives Auftreten verschaffte ihm den Beinamen „Eiserner Kanzler“. Vor allem gegen die aufstrebende Sozialdemokratie und die katholische Kirche ging er kompromisslos vor.

Außenpolitisch versuchte er jedoch ausgleichend zu wirken und schmiedete mehrere Bündnisse. Nach zunehmenden Meinungsverschiedenheiten mit Kaiser Wilhelm II. musste er als Lotse des Reiches von Bord gehen. Danach prägte er mit seinen Memoiren nachhaltig sein öffentliches Bild.

Zeittafel

1815

1. April: Otto von Bismarck kommt in Schönhausen in der Nähe von Stendal auf die Welt. Er ist eines von vier Kindern des Gutsbesitzers Ferdinand von Bismarck sowie dessen Gemahlin Wilhelmine Luise.

8. Juni: Auf dem Wiener Kongress wird der Deutsche Bund gegründet.

1821

In Berlin geht der junge Otto von Bismarck in der Plamannschen Lehranstalt zur Schule.

1827

Bis 1830 besucht Bismarck das Berliner Friedrich-Wilhelm-Gymnasium.

1830

Bismarck setzt seine schulische Ausbildung im Grauen Kloster in Berlin fort.

27. bis 29. Juli: In Paris findet die Julirevolution statt. Sie dehnt sich auf einige deutsche Staaten aus.

1832

27. Mai: Ungefähr 30.000 Menschen verlangen auf dem Hambacher Fest die Deutsche Einheit sowie mehr politisches Mitspracherecht.

1833

11. September: Bismarck geht in Berlin auf die Universität.

1835

20. Mai: Erstes juristisches Staatsexamen von Bismarck.

5. Juni: Bismarck tritt eine Stellung als Referendar des königlichen Stadtgerichts in Berlin an.

1836

5. Juli: In Aachen wird Bismarck als Regierungsreferendar vereidigt.

1837

1. Juni: Beurlaubung von Bismarck aufgrund von Unwohlsein. Dabei überzieht er seinen Urlaub deutlich um mehrere Monate.

9. November: Bismarck wird in Aachen entlassen. Anschließend setzt er seine Referendarzeit in Potsdam fort.

1838

25. März: Abbruch des Referendariats durch Bismarck. Als Freiwilliger für ein Jahr leistet er danach seinen Militärdienst ab.

1839

1. Januar: Bismarcks Mutter Wilhelmine-Luise verstirbt. Zusammen mit seinem Bruder Bernhard leitet Bismarck die väterlichen Güter Külz, Kniephof und Jarchelin in Pommern.

1844

2. Mai: Fortsetzung der Referendarzeit in Potsdam. Nur zwei Wochen später bricht Bismarck seine Ausbildung endgültig ab.

1845

22. November: Tod von Bismarcks Vater Ferdinand.

1846

Februar: Das väterliche Gut Schönhausen wird von Otto von Bismarck übernommen. Im Herbst wird er zum Jerichower Deichhauptmann ernannt.

1847

8. Mai: Bismarck fungiert als Ersatzmann für einen erkrankten Abgeordneten, wodurch er in den Landtag von Preußen einzieht.

15. Mai: Bismarck kann im Preußischen Landtag seine erste Rede halten.

28. Juli: Otto von Bismarck heiratet im pommerschen Reinfeld Johanna von Puttkamer. Mit Johanna hat er die drei Kinder Marie, Herbert und Wilhelm.

1848

18. März: In Deutschland kommt es nach der Pariser Februarrevolution sowie politischen Unruhen in Österreich, Ungarn und Italien ebenfalls zu Revolten wie den Barrikadenkämpfen in Berlin.

3. April: Bismarck gehört als Abgeordneter dem neu zusammengetretenen vereinigten preußischen Landtag an.

18. Mai: In der Frankfurter Paulskirche erfolgt die Zusammenkunft der deutschen Nationalversammlung. Sie soll die Einheit Deutschlands bewerkstelligen und eine Verfassung ausarbeiten.

16. Juni: Die Kreuzzeitung erscheint erstmals. Bismarck hat an der Gründung der Zeitung Anteil.

1849

Die Nationalversammlung will den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum „Kaiser der Deutschen“ machen. Der Preußenkönig lehnt jedoch ab. Nach dem Auflösen der Nationalversammlung scheitert die Revolution.

5. Februar: Bismarck wird in die Zweite Kammer von Preußens Landtag gewählt.

1850

4. Dezember: Rede Bismarcks zugunsten der Olmützer Punktuation. Dabei lehnt er die Demokratie ab und macht die hochkonservativen Kreise um den preußischen König auf sich aufmerksam.

1851

8. Mai: Bismarcks Ernennung zum Geheimen Legationsrat bei der preußischen Gesandtschaft des Bundestages in Frankfurt/Main.

15. Juli: Bismarck wird zum Bundestagsgesandten Preußens in Frankfurt ernannt.

1859

29. Januar: Bismarck wird am russischen Zarenhof in St. Petersburg preußischer Gesandter. Dabei gewinnt er wichtige Erkenntnisse über die politische und gesellschaftliche Situation in Russland.

1861

2. Januar: König Friedrich Wilhelm IV. stirbt. Seine Nachfolge tritt sein Bruder Wilhelm I. an, der bereits seit 1858 als Prinzregent fungiert.

1862

22. Mai: Bismarck tritt sein Amt als preußischer Gesandter in Paris an.

23. September: Das preußische Abgeordnetenhaus lehnt sämtliche Ausgaben für die Heeresreform ab. Als es zum Verfassungskonflikt kommt, wird Bismarck von Wilhelm I. von Preußen zum vorläufigen Ministerpräsidenten ernannt. Ohne dass das Parlament ein Budget bewilligt, regiert Bismarck bis 1866.

30. September: Bismarck hält seine berühmte „Eisen-und-Blut-Rede“, die unter vielen Abgeordneten zu Misstrauen gegen ihn führt.

8. Oktober: Ernennung Bismarcks zum Ministerpräsidenten von Preußen sowie zum Außenminister.

1863

8. Februar: Bismarck unterzeichnet die Alvenslebensche Konvention, womit er Russland bei der Niederschlagung des polnischen Aufstands unterstützt. Auf diese Wiese erhält er einige Jahre lang wichtiges russisches Entgegenkommen.

12./13. Mai: Bismarck führt Gespräche mit Ferdinand Lassalle, dem Präsidenten des ADAV (Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein) über eine eventuelle politische Zusammenarbeit gegen die Liberalen.

15. November: Der dänische König Friedrich VII. stirbt. Seine Nachfolge tritt Christian IX. an, der drei Tage später die neue Novemberverfassung unterzeichnet, was später den Deutsch-Dänischen Krieg zur Folge hat, da sie gegen das London-Protokoll von 1852 verstößt.

23. Dezember: Das deutsche Bundesheer besetzt die Herzogtümer Holstein und Lauenburg.

1864

16. Januar: Preußen und Österreich fordern Dänemark auf, binnen 48 Stunden Schleswig zu räumen und die Novemberverfassung aufzuheben.

1. Februar: Der Deutsch-Dänische Krieg beginnt. Die ersten Schüsse werden in der Nähe der deutschen Bundesfestung Rendsburg an der Eider abgegeben. Unter dem Kommando des Feldmarschalls Friedrich von Wrangel überqueren preußische und österreichische Truppen die Eider.

16. April: Die Schlacht an den Düppeler Schanzen endet mit dem Sieg für Preußen und Österreich und sorgt für die Vorentscheidung des Krieges.

9. Mai: Seegefecht vor Helgoland. Die Dänen erringen dabei zwar einen taktischen Sieg, können die Gesamtlage jedoch nicht mehr zu ihren Gunsten wenden.

12. Mai: In London beginnen die Friedensverhandlungen.

20. Juli: Zwischen Dänemark, Preußen und Österreich herrscht Waffenstillstand.

30. Oktober: Der Frieden von Wien beendet den Deutsch-Dänischen Krieg. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein werden Teil des Deutschen Bundes. Preußen verwaltet Schleswig und Österreich Holstein.

1865

14. August: Mit dem Vertrag von Gastein erfolgt die Einigung Österreichs und Preußens über die Aufteilung von Schleswig-Holstein. Dadurch ergeben sich jedoch Konflikte. Außerdem will Bismarck Preußens Vormachtstellung in Deutschland erreichen.

1866

8. April: Geheimvertrag zwischen Preußen und Italien, wodurch sich Bismarck die Unterstützung der Italiener für einen bevorstehenden Krieg mit Österreich sichert.

7. Mai: Attentat auf Bismarck in Berlin durch den Studenten Ferdinand Cohen-Blind. Der Attentäter will damit ein Zeichen gegen Bismarcks antiliberale Politik setzen. Weil Bismarck aber keinerlei Verletzungen erleidet, deutet dieser das als gutes Zeichen für seine Politik.

11. Mai: Der bayerische König Ludwig II. stellt sich gegen Preußen auf die Seite der Österreicher und unterzeichnet den Mobilisierungsbefehl.

Juni: Preußische Truppen marschieren in Holstein ein, das unter österreichischer Verwaltung steht.

14. Juni: Auf Drängen Österreichs beschließt der Bundestag, das Bundesheer zu mobilisieren. Weil Preußen diesen Beschluss für unzulässig hält, erklärt es den Bundestag für aufgelöst. Damit beginnt der Deutsche Krieg.

23. Juni: Preußische Truppen rücken kampflos in Sachsen ein und ziehen von dort aus weiter nach Böhmen.

26./27. Juni: Schlacht bei Podol zwischen Preußen und Österreich. Aus den heftigen Kämpfen gehen die Preußen als Sieger hervor.

28. Juni: Die Preußen schlagen die Österreicher sowohl bei der Schlacht bei Skalitz und Soor als auch bei der Schlacht bei Münchengrätz.

29. Juni: Schlacht bei Gitschin.

3. Juli: Preußen behält in der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz die Oberhand über die Österreicher und Sachsen. Bismarck drängt Wilhelm I. dazu, auf eine volle Ausnutzung des Sieges zu verzichten und rasch einen Frieden abzuschließen, da er Interventionen aus Frankreich oder Russland befürchtet. Nur mit viel Mühe kann er die Generalität davon abbringen, in Wien einzumarschieren und den Österreichern harte Siegesbedingungen zu diktieren.

26. Juli: Vorfrieden von Nikolsburg auf Vermittlung des französischen Kaisers Napoleon III.

23. August: Mit dem Prager Frieden endet der Deutsche Krieg wieder. Österreich erkennt die Auflösung des Deutschen Bundes an und verzichtet auf jede weitere Beteiligung an der Gestaltung Deutschlands. Bismarck hat damit sein Ziel, Österreich aus Deutschland herauszudrängen, erreicht. Außerdem kann Preußen Schleswig und Holstein dauerhaft annektieren.

3. September: Das preußische Abgeordnetenhaus billigt im Nachhinein die Staatsausgaben für die Reform des Heeres (Indemnitätsgesetz). Der seit 1862 bestehende Konflikt zwischen dem Parlament und Bismarck endet damit. Darüber hinaus beginnt Bismarck mit den Liberalen zusammenzuarbeiten.

1867

12. Februar: Um die Verdienste von Bismarck für Preußen zu würdigen, lässt ihm König Wilhelm I. 400.000 Taler zukommen. Dadurch erhält Bismarck die Gelegenheit, das Gut Varzin im pommerschen Köslin für sich zu erwerben.

14. Juli: Bismarck steigt zum Kanzler des neu ins Leben gerufenen Norddeutschen Bundes auf, der von Preußen angeführt wird. Die Verfassung stammt größtenteils aus der Feder Bismarcks.

1870

Die Frage der spanischen Thronfolge führt Anfang 1870 zu einem schweren Konflikt mit Frankreich. Bismarcks Wunschkandidat für den spanischen Thron ist Prinz Leopold von Hohenzollen-Sigmaringen. Dieser ist für Kaiser Napoleon III. jedoch unannehmbar.

13. Juli: Nachdem Prinz Leopold auf die Kandidatur für den spanischen Thron verzichtet hat, verlangt der Botschafter Frankreichs von Wilhelm I., auch in Zukunft keine Kandidaturen aus dem Hause Hohenzollern zu erlauben. Wilhelm lehnt dieses Ansinnen jedoch strikt ab und übermittelt dies auf telegrafischem Wege Bismarck. In einer deutlich schärferen Form teilt Bismarck nun mit der sogenannten „Emser Depesche“ das Vorgehen des französischen Botschafters der Presse mit. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland kommt es daraufhin zu nationaler Empörung.

19. Juli: Frankreich erklärt Preußen den Krieg. Weil Preußen jedoch Bündnisse mit allen anderen deutschen Staaten geschlossen hat, erstreckt sich die Kriegserklärung auf ganz Deutschland. Auch die süddeutschen Staaten treten dem Bündnisfall bei. Die übrigen europäischen Mächte verhalten sich neutral.

2. August: Die französische Armee greift mit sechs Divisionen deutsches Gebiet an und nimmt vorübergehend Saarbrücken ein. Im Gegenzug marschieren die deutschen Truppen in Frankreich ein und zwingen die Franzosen zum Rückzug.

6. August: Die Schlacht bei Spichern endet mit einem deutschen Erfolg.

16. August: Die Schlacht bei Mars-la-Tour zwischen Deutschland und der französischen Rheinarmee endet zugunsten der deutschen Truppen. Die Franzosen unter dem Kommando von Marschall Bazaine müssen sich zur Festung Metz zurückziehen, die später eingeschlossen und belagert wird.

2. September: Schlacht von Sedan. Durch ihren Sieg können die Deutschen bereits eine Vorentscheidung des Krieges erreichen. So gelingt ihnen die Gefangennahme von Kaiser Napoleon III., der anschließend von den Franzosen abgesetzt wird, was in Frankreich zur Ausrufung der Republik führt. Die Republik setzt den Konflikt allerdings fort.

27. Oktober: Marschall Bazaine muss mit etwa 170.000 Soldaten in der belagerten Festung Metz kapitulieren.

1871

1. Januar: Nach Abschluss der Novemberverträge treten die süddeutschen Staaten Bayern, Baden, Württemberg und Hessen-Darmstadt dem Deutschen Bund bei. Dadurch wird der föderale deutsche Staat zum Deutschen Reich.

18. Januar: Wilhelm I. wird im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert. Gleichzeitig erfolgt die deutsche Reichsgründung.

19. Januar: Ein Ausbruchsversuch der französischen Armee aus dem komplett eingeschlossenen Paris scheitert.

28. Januar: Mit einem Waffenstillstandsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich endet die seit dem 19. September andauernde Belagerung von Paris.

21. März: Der deutsche Kaiser erhebt Bismarck in den Fürstenstand. Darüber hinaus steigt er zum Reichskanzler des neuen Deutschen Reiches auf. Gleichzeitig bleibt er weiterhin Ministerpräsident und Außenminister von Preußen. Bismarck hat damit den Zenit seiner Macht erreicht.

10. Mai: Mit dem Vertrag von Frankfurt endet der Deutsch-Französische Krieg. Frankreich muss auf das Elsass und Lothringen verzichten. Die überwiegend deutschsprachigen Gebiete werden zum Reichsland Elsaß-Lothringen zusammengeschlossen.

24. Juni: Für die Anerkennung seiner Verdienste übereignet Kaiser Wilhelm I. Bismarck den Sachsenwald bei Friedrichsruh, der sich im Herzogtum Lauenburg befindet.

8. Juli: In Preußen beginnt der Kulturkampf zwischen Bismarck und der katholischen Kirche durch die Aufhebung der katholischen Abteilung innerhalb des Kulturministeriums.

1872

14. Mai: Bismarck erklärt im Reichstag den Kulturkampf und versichert, nicht den „Gang nach Canossa“ anzutreten.

1873

11. bis 14. Mai: Einführung der Maigesetze. Sie reglementieren das Leben der Kirche und ihrer Anhänger in Deutschland. Der Kulturkampf erreicht damit einen ersten Höhepunkt.

22. Oktober: Bismarck schließt mit Österreich und Russland das Drei-Kaiser-Abkommen. Mit einem speziellen Bündnissystem will der Eiserne Kanzler das Gleichgewicht in Europa erhalten und zugleich Deutschlands schwierige Position in Mitteleuropa absichern. Vor allem einem Bündnis zwischen Frankreich und Russland will er entgegenwirken.

1874

13. Juli: In Kissingen wird durch den katholischen Handwerker Eduard Kullmann ein Anschlag auf Bismarck verübt. Der Reichskanzler kommt jedoch mit leichten Verletzungen an der Hand davon. Durch dieses Ereignis verschärft sich der Kulturkampf weiter. Kullmann erhält für sein Attentat eine Zuchthausstrafe von 14 Jahren.

1875

9. April bis 13. Mai: Krieg-in-Sicht-Krise zwischen Deutschland und dem wiedererstarkten Frankreich, die von Bismarck durch einen von ihm angeregten Zeitungsartikel selbst gefördert wird. Auf diese Weise will er die Franzosen einschüchtern. Das diplomatische Eingreifen von Großbritannien und Russland behebt die Krise wieder.

1877

Der Krieg zwischen Russland und dem Osmanischen Reich weitet sich international aus.

15. Juni: Im Rahmen des Kissinger-Diktats plädiert Bismarck für die russische Herrschaft in der Schwarzmeerregion. Zum Ausgleich soll Großbritannien über Ägypten verfügen. Deutschland wolle dagegen nur am Status quo festhalten. So wünscht das Deutsche Reich gute Beziehungen zu allen Staaten mit Ausnahme von Frankreich.

1878

19. Februar: Bismarck will in der Orientkrise als ehrlicher Vermittler auftreten. Zu diesem Zweck beruft er für den Juni den Berliner Kongress ein.

13. Juni bis 13. Juli: In der deutschen Reichshauptstadt findet der Berliner Kongress zur Beilegung der Orientkrise statt.

17. Juli: Inkrafttreten der Arbeiterschutznovelle. Dabei werden die Fabriken durch staatliche Inspektoren kontrolliert. Bismarck startet auf diese Weise den Ausbau eines staatlichen Fürsorge- und Wohlfahrtssystems. Mit dieser Taktik will er der immer stärker werdenden Sozialdemokratie ihre Grundlagen entziehen. In den kommenden Jahren folgen weitere Sozialgesetze Bismarcks.

18. Oktober: Nachdem auf Kaiser Wilhelm I. zwei Attentate verübt wurden, macht Bismarck dafür die Sozialdemokraten verantwortlich, obwohl keinerlei Beweise gegen sie vorliegen. Dadurch kommt es zum zweiten Entwurf des Sozialistengesetzes. Allerdings kann Bismarck sein Ziel, die Sozialdemokratie für immer unschädlich zu machen, nicht erreichen.

1879

7. Oktober: Bismarck schließt mit Österreich-Ungarn den Zweibundpakt. Er dient zum gegenseitigen Beistand für den Fall eines russischen Angriffs.

1880

15. September: Das Handelsministerium wird von Bismarck übernommen. Er leitet nun eine Politik staatlicher Eingriffe ein.

1881

18. Juni: Zwischen Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn kommt es zum Dreikaiservertrag, dessen Verlängerung 1884 erfolgt.

1882

20. Mai: Bismarck schließt für Deutschland einen Dreibundvertrag mit Italien und Österreich-Ungarn ab.

1883

31. Mai: Das Gesetz über die Krankenversicherung wird im Deutschen Reichstag beschlossen. 1884 folgt die Unfallversicherung. Die Sozialgesetzgebung Bismarcks gilt als die fortschrittlichste von ganz Europa.

1884

27. April: Mit Deutsch-Südwestafrika wird das erste Gebiet in Übersee unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt, was den Beginn der deutschen Kolonialgeschichte markiert. Die Verwaltung der Schutzgebiete wird von Kaufleuten übernommen.

15. November: Gemeinsam mit Jules Ferry, dem Ministerpräsidenten von Frankreich, leitet Bismarck die Berliner Kongokonferenz. Neben 13 europäischen Staaten tagt dort auch die USA. Im Rahmen der Kongoakte wird eine Einigung über die Zollfreiheit in den Regionen Kongo und Niger erzielt. Außerdem darf der belgische König Leopold II. einen Kongostaat errichten. Die Europäer teilen den afrikanischen Kontinent unter sich auf.

1885

17. Mai: Die melanesische Inselgruppe, die Teil von Deutsch-Neuguinea ist, wird mit einem kaiserlichen Schutzbrief ausgestattet und Bismarck-Archipel genannt.

1887

24. März: Der seit 1871 andauernde Kulturkampf endet.

18. Juni: Bismarck schließt einen geheimen Rückversicherungsvertrag mit dem russischen Zarenreich.

1888

9. März: Der populäre Kaiser Wilhelm I. stirbt in Berlin nach kurzer Krankheit im Alten Palais Unter den Linden. Sein Nachfolger wird sein Sohn Friedrich III., der jedoch schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt ist.

15. Juni: Friedrich III. stirbt an Krebs. Neuer deutscher Kaiser wird dessen Sohn Wilhelm II. Durch seinen Amtsantritt kommt es zu einem Wandel des Machtgefüges im Kaiserreich. So hat Wilhelm II. nicht die Absicht, sich Reichskanzler Bismarck unterzuordnen.

1889

24. Mai: Das Gesetz über Invaliditäts- und Altersversicherung wird vom Deutschen Reichstag angenommen.

1890

31. Januar: Bismarck tritt als Handelsminister zurück, weil Wilhelm II. eigenen Plänen für eine Sozialpolitik nachgeht. Dabei will der Kaiser den Schutz der Arbeiter sogar verbessern. Außerdem wird Bismarcks Vorschlag für ein neues unbefristetes Sozialistengesetz vom Reichstag abgelehnt.

15. März: Nach erneuten schweren Differenzen zwischen Bismarck und Wilhelm II. wird der Reichskanzler vom Kaiser zum Rücktritt aufgefordert.

18. März: Der Eiserne Kanzler verkündet seinen Rücktritt und gibt dabei geschickt dem Kaiser die komplette Schuld daran. Erst nach Bismarcks Tod gelangt das Dokument über den Rücktritt an die Öffentlichkeit.

20. März: Otto von Bismarck wird als Reichskanzler sowie als Ministerpräsident von Preußen entlassen. Obwohl der Kaiser ihm den Titel eines Herzogs von Lauenburg verleiht, weigert sich der ehemalige Kanzler, diesen anzunehmen.

Weite Teile der deutschen Öffentlichkeit sind über Bismarcks Rücktritt erleichtert. Das Ausland sieht den Abgang des Eisernen Kanzlers dagegen weitgehend mit Unbehagen. Bismarck zieht sich nach Friedrichsruh zurück und betätigt sich von dort aus als bissiger Kommentator. Seine Nachfolge als Reichkanzler tritt Leo von Caprivi an.

1891

30. April: Für die Nationalliberalen wird Bismarck in den Reichstag gewählt. Allerdings übt er dieses Amt niemals aus.

1892

Durch einen kaiserlichen Erlass wird Otto von Bismarck von beinahe sämtlichen offiziellen Kontakten ausgegrenzt. Die Öffentlichkeit reagiert darauf mit Empörung. Es setzt sogar ein regelrechter Kult um den früheren Kanzler ein.

1894

27. Januar: Bei einem Besuch Bismarcks im Berliner Schloss erfolgt eine offizielle Versöhnung mit Kaiser Wilhelm II.

19. Februar: Wilhelm II. stattet Bismarck einen Gegenbesuch in Friedrichsruh ab.

27. November: Bismarcks Frau Johanna stirbt, was Bismarck schwer trifft.

1895

23. März: Weil Bismarck auch weiterhin Kritik am Kaiser übt, lehnt die Mehrheit des Parlaments es ab, dem früheren Reichskanzler zum 80. Geburtstag zu gratulieren.

1. April: Bismarck begeht seinen 80. Geburtstag, wobei der Kult um ihn seinen Höhepunkt erreicht. Von mehr als 450 Städten wird ihm die Ehrenbürgerschaft verliehen. Tausende von Menschen statten Bismarcks Alterssitz einen Besuch ab.

1896

24. Oktober: In der Zeitung „Hamburger Nachrichten“ gibt Bismarck den 1887 geschlossenen deutsch-russischen Rückversicherungsvertrag bekannt.

Bismarcks Gesundheitszustand verschlechtert sich zunehmend, sodass er auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

1898

30. Juli: In Friedrichsruh bei Hamburg stirbt Otto von Bismarck, was auch internationales Aufsehen erregt. Obwohl Kaiser Wilhelm II. den Wunsch hegt, die sterblichen Überreste des Altkanzlers nach Berlin zu überführen, wird sein Leichnam von der Familie auf eigenen Wunsch in Friedrichsruh neben seiner geliebten Frau bestattet.