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Bismarcks Vater: Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck (1771–1845)

Bei Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck handelte es sich um den Vater des deutschen Staatsmannes Otto von Bismarck.

Bismarcks Vater war ein preußischer Landedelmann.

Herkunft

Geboren wurde Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck am 13. November 1771 in Schönhausen an der Elbe bei Stendal, das zur Provinz Sachsen gehörte.

Sein Vater war Karl Alexander von Bismarck (1727-1797), der Herr von Schönhausen und Abkömmling eines alten preußischen Adelsgeschlechts.

Seine Mutter war Christiane Charlotte Gottliebe von Schönfeldt (1741-1772).

Die Familie war sehr vermögend und besaß zahlreiche Ländereien. Außerdem verfügte sie über politischen Einfluss.

Heirat

Über die Kindheit und Jugend des Vaters von Bismarck ist nicht viel bekannt.

Am 16. Juli 1806 nahm der Rittmeister Wilhelmine Luise Meincke (1789-1839) in Potsdam zur Frau. Sie stammte aus einer Gelehrtenfamilie, die großes Ansehen besaß, jedoch bürgerlicher Herkunft war.

Wilhelmines Vater Anastasius Ludwig Mencken (1752-1801) hatte als königlich-preußischer Kabinettssekretär unter Friedrich dem Großen und dessen Nachfolgern gedient.

Die ersten Jahre des Ehepaars wurden überschattet von den Napoleonischen Kriegen. So kam es im Oktober 1806 zum Einmarsch Napoleons in Preußen sowie zur Doppelschlacht von Jena und Auerstedt. Preußen, das militärisch unterlag, musste 1807 Frieden schließen. Im Verlauf des Krieges wurde Schönhausen von den Franzosen geplündert.

Geburt der ersten Kinder

Mit Wilhelmine Luise hatte Bismarcks Vater Karl Wilhelm Ferdinand insgesamt vier Söhne und zwei Töchter. Doch nur drei der Kinder erreichten ein höheres Lebensalter. So starb der 1807 erstgeborene Sohn Alexander Friedrich Ferdinand schon 1809. Auch die erste Tochter Luise Johanna Angelika lebte nur von 1808 bis 1813.

Mit Bernhard Friedrich Alexander Ferdinand erblickte dann der älteste überlebende Sohn am 24. Juli 1810 das Licht der Welt. Ein weiterer Sohn, Franz Albert, lebte von 1819 bis 1822, während das jüngste Kind Franziska Angelika Malwine 1827 zur Welt kam.

Nach dem Tode des kinderlosen Verwandten August Friedrich II. von Bismarck erbte Karl Wilhelm im Jahr 1814 die Güter Kniephof, Jarchlin und Külz in Pommern.

Otto von Bismarck wird geboren

Am 1. April 1815 kam schließlich Otto Eduard Leopold von Bismarck auf Schloss Schönhausen zur Welt. Er war damit Teil der Junkerfamilie.

Als Junker wurden seinerzeit Besitzer von Rittergütern in Ostelbien bezeichnet, die meist dem preußischen Adel angehörten.

Das Jahr 1815 war für Europa von entscheidender Bedeutung. Während mit Otto von Bismarck ein neuer zukünftiger Staatsmann das Licht der Welt erblickte, ging die Ära Napoleon Bonapartes in Waterloo endgültig zu Ende und Europa wurde im Rahmen des Wiener Kongresses neu geordnet.

Davon bekam die Familie Bismarck jedoch nicht viel mit. 1816 zog Karl Wilhelm Ferdinand mit seinen Angehörigen von Schönhausen auf das Gut Kniep in Hinterpommern.

Karl Wilhelm Ferdinand und sein Sohn

Über das Verhältnis zwischen Karl Wilhelm Ferdinand und seinem Sohn Otto wurde nur wenig bekannt. Otto von Bismarck liebte seinen Vater jedoch. Beschrieben wurde Bismarcks Vater Karl Wilhelm Ferdinand als selbstgenügsamer Landjunker, der als mäßig intelligent und warmherzig galt. Sein Ehrgeiz hielt sich in Grenzen. So überließ er auch die Erziehung seines Sohnes weitgehend seiner Gemahlin Wilhelmine, die 18 Jahre jünger war als er selbst.

Die Ehe mit Wilhelmine verlief jedoch nicht glücklich. So zeigte Wilhelmine sich energisch, aber auch gefühlsarm. Außerdem langweilte sie sich an der Seite ihres zwar gutmütigen, aber auch ungehobelten Gemahls.

Von ihrem Sohn Otto verlangte Wilhelmine große Lernbereitschaft. Bismarck berichtete später, dass er seine Mutter schon als kleines Kind wegen ihrer harten Strenge gehasst habe und sie als grausam empfand.

Otto von Bismarck auf dem Internat

Im Alter von sechs Jahren schickten Karl Wilhelm Ferdinand und Wilhelmine ihren Sohn Otto 1821 auf die Berliner Plamannsche Anstalt. In diesem Internat herrschten „rücksichtslose Strenge“ sowie ein „künstliches Spartanertum“, wie Otto von Bismarck später beklagte. So sei seine gesamte Kindheit in der Plamannschen Anstalt, die ihm wie ein Zuchthaus vorkam, verdorben worden.

Stattdessen sehnte sich der junge Bismarck wieder zurück nach dem Gut seines Vaters und dem Landleben.

Gymnasium und Ausbildung Ottos

Im Alter von elf Jahren wechselte Otto von Bismarck auf das Gymnasium, wo er nicht weiter auffiel, jedoch als sprachbegabt galt.

1827 zog er zu seinem Bruder Bernhard in eine Berliner Wohnung, die die Eltern ihnen zur Verfügung stellten. Dabei übernahm eine Haushälterin die Versorgung der beiden Jungen.

Seine Mutter hatte für Otto die Beamtenlaufbahn in Preußens diplomatischem Dienst vorgesehen, während sein Vater ihm den Stolz auf seine Herkunft vermittelte.

Seine Bildung, die für einen Landedelmann eher ungewöhnlich war, verdankte Otto von Bismarck jedoch nicht seinem Vater, sondern seiner Mutter. Das Verhältnis zwischen Bosmarck und seiner Mutter blieb jedoch weiterhin reserviert, während die Beziehung zum Vater meist harmonisch verlief.

Nach seiner Schulzeit nahm Otto von Bismarck in Göttingen und Berlin ein Jurastudium auf und ging 1836 als Referendar nach Aachen. In dieser Zeit stellte er vor allem Frauen nach und häufte Schulden in Spielcasinos an.

Tod Wilhelmines

Die weiteren Jahre von Karl Wilhelm Ferdinand von Bismarck verliefen ruhig. 1839 verstarb seine Frau Wilhelmine 49-jährig an Krebs. Danach kehrte Otto, der sein Studium abbrach, nach Kniephof in Pommern zurück, wo er zusammen mit seinem Bruder Bernhard erfolgreich die Güter des Vaters als Landwirt übernahm.

Der Arbeit bei Gericht war Otto von Bismarck rasch müde geworden. So verglich er die Bürokratie mit einem gefräßigen Krebsgeschwür. Seinem Vater gegenüber klagte er, dass das Leben eines Beamten für ihn unerträglich sei.

Letzte Jahre des Vaters

Bismarcks Vater Karl Wilhelm Ferdinand kehrte nach dem Tod seiner Frau wieder nach Schönhausen, dem Rittergut seiner Familie, zurück. Dort lebte er bis zum seinem Tode am 22. November 1845 im Alter von 74 Jahren.

Sein Sohn Otto, der zeitweilig zur Ruhe kam, kümmerte sich nun auch um den Familienbesitz in Schönhausen. Seine politische Karriere sollte jedoch erst noch beginnen.