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Schlacht bei Königgrätz (3. Juli 1866)

Die Schlacht bei Königgrätz brachte die Entscheidung im Deutschen Krieg zugunsten Preußens. Dadurch konnte Otto von Bismarck die von ihm angestrebte kleindeutsche Lösung durchsetzen.

Die Schlacht bei Königgrätz fand am 3. Juli 1866 im früheren böhmischen Teil Österreichs statt. Die Schlacht zwischen preußischen, österreichischen und sächsischen Truppen galt als Zeitenwende und machte letztlich den Weg frei für die Deutsche Reichsgründung von 1871.

Vorgeschichte der Schlacht bei Königgrätz

Die Ursache für den Deutschen Krieg und die Schlacht bei Königgrätz lag in dem Konflikt zwischen Preußen und Österreich, wer im Deutschen Bund die Vorherrschaft besitzen sollte. So war Otto von Bismarck der Ansicht, dass sich mit Österreich eine Vergrößerung der preußischen Macht nicht durchsetzen ließ. Daher strebte er nach dem Schaffen eines kleindeutschen Staates. Aus diesem Grund isolierte und provozierte Bismarck Österreich bei jeder Gelegenheit und schreckte dabei vor Krieg nicht zurück.

1866 gelang es ihm, auch den preußischen König Wilhelm I. von seiner Meinung zu überzeugen. Mit Italien schloss er am 8. April 1866 einen befristeten Bündnisvertrag und der französische Kaiser Napoleon III. nahm eine neutrale Haltung ein. In der deutschen Öffentlichkeit stieß ein militärischer Konflikt zwischen Preußen und Österreich jedoch auf wenig Gegenliebe. Sogar ein Attentat wurde deswegen auf Bismarck verübt.

Beginn des Deutschen Krieges

Als Auslöser für den Beginn des Deutschen Krieges dienten die seit dem deutsch-dänischen Krieg von 1864 gemeinsam verwalteten Gebiete von Schleswig und Holstein. Gegen die Bestimmungen der Gasteiner Konvention besetzten preußische Truppen Holstein, das von Österreich verwaltet wurde. Die Österreicher ließen daraufhin die Bundesarmee mobil machen, was den Austritt Preußens aus dem Deutschen Bund zur Folge hatte. Am 19. Juni 1866 erfolgte die Kriegserklärung Preußens an Österreich.

Zu den Verbündeten der Österreicher zählten Sachsen, Bayern, Baden, Württemberg, Hannover und einige Kleinstaaten, während Italien sowie einige norddeutsche Länder und thüringische Kleinstaaten auf Preußens Seite standen.

Die Preußen marschieren in Böhmen ein

Von dem als genial geltenden preußischen Strategen General Helmuth Graf von Moltke (1800-1891), der als Chef des Generalstabs fungierte, wurden weitreichende Zangenbewegungen ausgearbeitet. Ende Juni 1866 marschierten mit der. 1. Armee, der 2. Armee sowie der Elbarmee drei preußische Armeen in Richtung nördliches Böhmen und Sachsen. Ziel war es, in Nordböhmen die gesamten österreichischen Streitkräfte einzukreisen.

Moltkes österreichischer Kontrahent war der Feldzeugmeister Ludwig von Benedek (1804-1881), der auf Feldzügen in Italien 1848 und 1859 einen guten Ruf als Stratege erworben hatte. Für den Kriegsschauplatz Böhmen verfügte er jedoch nur über wenig Erfahrung.

Ende Juni konnten die Preußen erste Erfolge gegen die Österreicher bei Turnau, Podol und Münchengrätz verbuchen. Obwohl Moltke die drei preußischen Armeen getrennt voneinander operieren ließ, marschierten sie letztlich aufeinander zu, um den Gegner einzukesseln.

Als militärischer Vorteil für die Preußen erwies sich das Zündnadelgewehr, das den Österreichern herbe Verluste zufügte. Benedek entschied sich daher dafür, zwischen Bistritz und Elbe eine starke Defensivstellung einzunehmen. Zum Decken eines möglichen Rückzugs sollte die Festung Königgrätz dienen. Mit dieser Verteidigungsstelle wollte Benedek den Vormarsch der Preußen stoppen. Insgesamt standen rund 215.000 Österreicher 221.000 Preußen gegenüber.

Die Schlacht bei Königgrätz beginnt

Die preußische 1. Armee unter dem Kommando von Friedrich Karl Nikolaus von Preußen begann am 3. Juli in den frühen Morgenstunden mit ihrem Marsch in Richtung Bistritz. Es kam zu einem Vorhutgefecht mit der österreichischen Artillerie. Beim Versuch der Preußen, die Bistritz zu überqueren, gingen zwei österreichische Korpskommandanten gegen die Flanke des Gegners vor, ohne dabei weiter auf die preußische 2. Armee zu achten, sodass eine Lücke in der Verteidigung der Österreicher entstand, die die Preußen später ausnutzten.

Bis zum Vormittag musste die preußische 1. Armee allein gegen die Österreicher kämpfen, was wegen der zahlenmäßigen Unterlegenheit zu einer großen Drucksituation führte. Im Swiepwald kam es zu schweren Gefechten. In dem Wald verschanzte sich die preußische 7. Division, um die Angriffe der Österreicher abzuwehren. Auf beiden Seiten kam es zu hohen Verlusten.

Weiterer Verlauf der Schlacht bei Königgrätz

Die österreichischen Militärführer sahen sich indessen im Vorteil und im preußischen Lager wurde erste Kritik an dem ungewöhnlichen Aufmarschplan Moltkes geübt. Auch König Wilhelm reagierte zunehmend nervös. Sogar Bismarck selbst begann allmählich eine Niederlage zu befürchten.

Gegen Mittag traf jedoch das preußische 1. Garderegiment, das zur preußischen 2. Armee gehörte, auf dem Schlachtfeld ein. Damit war die 2. Armee, die unter dem Kommando von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen, dem späteren Friedrich III., stand, zur Stelle. Zusammen mit der inzwischen ebenfalls aufmarschierten Elbarmee griff sie die österreichischen Truppen im Swiepwald an.

Unter der Führung von General Münster-Meinhövel ging die 14. preußische Division gegen die Linie Problus-Stresetitz vor. Am Nachmittag musste das Sächsische Korps unter dem Druck der Elbarmee zurückweichen.

Die Entscheidung fällt

Feldzeugmeister Benedek befahl bei Chlum den Gegenangriff gegen die Preußen, der allerdings letztlich wirkungslos blieb. Beim Gefecht von Stresetitz griffen 39 österreichische Kavallerie-Schwadronen 31 preußische Schwadronen an. Durch den Angriff der preußischen Infanterie musste das Gefecht jedoch abgebrochen werden.

Mittlerweile brachen die Stellungen der Sachsen bei Problus zusammen. Benedek war nun gezwungen, seine letzten Reserven in die Schlacht zu werfen. So drohte die komplette österreichische Armee eingekesselt zu werden.

Gegen 16 Uhr ordnete der österreichische Befehlshaber den Rückzug seiner Truppen nach Königgrätz an. Die preußische Elbarmee hatte die sächsischen Truppen mittlerweile aus dem Ort Problus herausgedrängt. Die Sachsen bildeten die Nachhut der zurückflutenden Österreicher.

Diese wurden zunächst von der preußischen Kavallerie verfolgt. Unter dem Schutz der Artillerie aus der Festung Königgrätz konnten die Österreicher zur Elbe entkommen. Preußen hatte die Schlacht bei Königgrätz gewonnen und Moltke mit seiner kühnen Taktik recht behalten.

Verluste

Die Österreicher hatten Verluste von 41.499 Soldaten, 6010 Reitern und 1313 Offizieren zu beklagen. Preußen büßte 8.794 Soldaten und 359 Offiziere ein. Die Verluste der Sachsen betrugen 1446 Mann sowie 55 Offiziere.

Die Einschließung der österreichisch-sächsischen Truppen hatten die Preußen zwar nicht erreicht, doch mussten ihre Gegner den Rückzug nach Brünn und Olmütz antreten. Mitte Juli drangen die Preußen in den Donauraum vor und stießen ohne nennenswerten Widerstand in Richtung Wien vor.

Bismarck drängte durch den Erfolg von Königgrätz auf einen raschen Friedensschluss, da er mögliche Interventionen Frankreichs und Russlands befürchtete. Moltke und andere Generäle wollten jedoch lieber Wien einnehmen. Auch König Wilhelm I. plante einen triumphalen Einzug in Wien und harte Friedensbedingungen für die Österreicher. Mit viel Mühe konnte sich Bismarck letztlich mit seiner maßvollen Politik durchsetzen.

Folgen der Schlacht bei Königgrätz

Trotz militärischer Erfolge Österreichs gegen Italien blieb Kaiser Franz Joseph, der Benedek seines Postens enthoben hatte, aufgrund der schweren Niederlage von Königgrätz nichts anderes übrig, als Frieden mit Preußen zu schließen. Dies führte am 3. Oktober 1866 zum Frieden von Wien.

Die weitreichenden Konsequenzen der Schlacht um Königgrätz waren die Auflösung des Deutschen Bundes sowie die Entstehung des Norddeutschen Bundes. Preußen konnte außerdem Schleswig-Holstein, die Freie Stadt Frankfurt, Hannover, Nassau und Kurhessen annektieren. Otto von Bismarck legte damit den Grundstein für das Entstehen eines kleindeutschen Staates und die Reichsgründung von 1871.