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Bismarck und König Ludwig II. von Bayern

Bei Bismarcks Traum von der Einheit Deutschlands spielte der bayerische König Ludwig II. eine wesentliche Rolle. So unterschrieb der sogenannte Märchenkönig den von Bismarck verfassten Kaiserbrief.

Herkunft Ludwigs II.

Ludwig II. war am 25. August 1845 auf Schloss Nymphenburg in München geboren worden. Er entstammte dem Haus Wittelsbach und trat 1864 im Alter von nur 18 Jahren die Nachfolge seines Vaters Maximilian II. als König von Bayern an. Für den jungen Ludwig kam die Amtsübernahme überaus unerwartet.

Ludwig II. galt als großer Liebhaber von Kunst und Kultur. Unter anderem ließ er dem Komponisten Richard Wagner finanzielle Unterstützung zuteilwerden. Dies ging so weit, dass 1865 die bayerische Staatsregierung intervenierte und den König veranlasste, den in München unbeliebten Richard Wagner dazu aufzufordern, Bayern zu verlassen.

Konflikt mit Preußen

Als sich 1866 ein Krieg zwischen Preußen und Österreich darüber anbahnte, wer in Deutschland die politische Führung übernähme, versuchte Ludwig II. Bayerns Neutralität zu bewahren, was jedoch schwierig war, denn innerhalb des Deutschen Bundes bestand eine Bündnispflicht mit Österreich, auf der das Kaiserreich beharrte.

Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck ließ keine Gelegenheit aus, Österreich zum Krieg zu provozieren. Österreich war bereit, die Herausforderung anzunehmen.

Schließlich blieb dem jungen bayerischen König nichts anderes übrig, als am 11. Mai 1866 den Mobilmachungsbefehl für die Streitkräfte Bayerns zu unterzeichnen. Als es am 14. Juni zum Beginn des deutschen Krieges kam, stand Bayern auf Seiten von Bismarcks Gegnern Österreich und Sachsen.

Ludwig selbst hatte für das Militär nur wenig übrig und überließ die Kriegsführung seinen Ministern.

Deutscher Krieg

Weil Preußen jedoch Druck auf Bayern ausübte, verweigerte das Königreich den Österreichern, die strategisch wichtige Eisenbahnlinie Regensburg – Pilsen – Prag zu nutzen.

Nach mehreren Schlachten fiel bereits am 3. Juli 1866 mit der Schlacht bei Königgrätz die militärische Entscheidung und Österreich war gezwungen, Frieden zu schließen. Auch Bismarck drängte im Gegensatz zu König Wilhelm I. und den Militärs, die bis nach Wien marschieren wollten, auf einen raschen Friedensschluss, da er in Zukunft Bündnisse mit Österreich eingehen wollte.

So kam es am 23. August 1866 zum Frieden von Prag und Österreich musste sich aus der deutschen Politik zurückziehen.

Reaktionen in Bayern

Für die Niederlage des bayerischen Königreiches wurden in erster Linie die Militärführung sowie die Minister verantwortlich gemacht. Allerdings war der Zustand der bayerischen Streitkräfte bereits zu Beginn des Konfliktes schlecht gewesen. Schon seit Jahrzehnten lag eine Vernachlässigung von Organisation und Ausrüstung vor, was sich allerdings auch auf die Politik des Königs zurückführen ließ.

Als der Deutsche Bund infolge des Krieges aufgelöst wurde, besaß Bayern keinen militärischen Schutz mehr. Gemeinsam mit den anderen süddeutschen Staaten wurde daher mit Preußen im August 1866 eine Militärkonvention abgeschlossen, die mit entsprechenden Friedensverträgen einherging.

Von Bismarck wurde Bayern milde behandelt und musste lediglich eine Kriegsentschädigung von 30 Millionen Gulden ableisten, was als relativ niedrige Summe galt. Ebenso fielen die Gebietsverluste mit dem Bezirksamt Gersfeld moderat aus. Allerdings war der außenpolitische Einfluss Bayerns durch das neue Schutz- und Trutzbündnis erheblich eingeschränkt worden. So übernahm im Kriegsfall Preußen den Oberbefehl.

Ludwig II. kümmerte sich wieder um seine Regierungsgeschäfte, die er so gewissenhaft wie möglich ausübte, obwohl er München häufig fernblieb.

Krieg gegen Frankreich

In den kommenden Jahren ging Otto von Bismarck seinem Plan, Deutschland unter Preußens Führung zu vereinigen, weiter nach. Am 19. Juli 1870 kam es zu einem neuen militärischen Konflikt – diesmal gegen Frankreich unter der Führung von Kaiser Napoleon III. Ausgelöst worden war der Krieg durch den Streit um die spanische Thronfolge. Die Auseinandersetzung eskalierte derart, dass Napoleon III. Preußen den Krieg erklärte.

Aufgrund der Beistandspflicht gegenüber dem Norddeutschen Bund traten auch die süddeutschen Staaten, zu denen Bayern gehörte, in den Krieg ein. Schon nach wenigen Wochen schlugen die vereinigten deutschen Streitkräfte Frankreichs Armee entscheidend und nahmen Napoleon III. gefangen.

Die neue französische Republik, die daraufhin entstand, setzte den Krieg jedoch vorerst fort, was die Niederlage der Franzosen jedoch nicht abwendete.

Bayern stellte für den Krieg 50.000 Soldaten, 5500 Kavalleristen sowie 192 Geschütze bereit.

Ludwigs finanzielle Sorgen

Auch 1870 hatte Ludwig II., der ein Anhänger der Großdeutschen Lösung war, die Niederlage von 1866 noch nicht verwunden. Als Bayern an Preußens Seite in den Krieg gegen Frankreich zog, weigerte er sich, den Oberbefehl über seine Truppen zu übernehmen.

Ludwig II. wünschte sich eine Kaiserrotation zwischen den preußischen Hohenzollern und den bayerischen Wittelsbachern. Die Pläne Bismarcks gingen jedoch in eine andere Richtung.

Als der preußische Ministerpräsident den preußischen König als deutschen Kaiser vorschlug, reagierte Ludwig zunächst ablehnend. Allerdings dachte die bayerische Regierung anders als ihr König und stimmte dem Beitritt Bayerns ins Deutsche Reich zu.

Weil sich Ludwig ohnehin mehr für Bauten, Kunst, Bildung und Wissenschaft interessierte, die jedoch große Anteile des Staatshaushaltes verschlangen, litt der bayerische Monarch unter chronischer Geldknappheit. So war er ständig auf der Suche nach neuen Geldgebern, da er auch sein privates Vermögen stark belastet hatte.

Diese großen Geldsorgen brachten Ludwig II. schließlich dazu, Bismarcks Bestrebungen nachzugeben. Darüber hinaus machte der preußische Ministerpräsident Bayern große Zugeständnisse wie eigene Eisenbahnen, eine eigene Post sowie ein eigenes Heer im Frieden. Am 23. November 1870 kam es zur Einigung zwischen Bismarck und der bayerischen Regierung über den Beitritt zum Deutschen Reich.

Der Kaiserbrief

Ludwig II. bot nun Bismarck selbst Unterstützung an, wenn dieser ihm finanziell hülfe. Die Verhandlungen darüber führte Graf Maximilian von Holnstein (1835-1895), der als Oberststallmeister und Diplomat des bayerischen Königs fungierte.

Bismarck stimmte zu und richtete eine schwarze Kasse aus dem Zinsaufkommen des „Reptilienfonds“, der u. a. dem 1866 beschlagnahmten Vermögen vom König von Hannover entstammte, ein. Daraus wurden in den kommenden Jahren 5,2 Millionen Mark in Raten von 300.000 Mark an den bayerischen König gezahlt.

Als Gegenleistung unterzeichnete Ludwig am 30. November 1870 den von Bismarck verfassten Kaiserbrief an die deutschen Bundesfürsten. In diesem Schreiben trug Ludwig II. dem preußischen König Wilhelm I. die Kaiserwürde des neuen Deutschen Reiches an.

Der Brief, der von Prinz Luitpold von Bayern, Ludwigs Onkel, übergeben wurde, lieferte den Anstoß für die Proklamation Wilhelms I. zum deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871.

Als Großherzog Friedrich I. von Baden ein Hoch auf Kaiser Wilhelm anstieß, schlossen sich ihm die anderen deutschen Fürsten an. Am 21. Januar wurde die deutsche Reichsgründung auch vom bayerischen Parlament gebilligt. Somit konnte Bayern in Deutschland aufgehen.

Hatte sich Ludwig bestechen lassen?

Für die Unterzeichnung des Kaiserbriefs schlug Ludwig von seinen Kritikern heftige Ablehnung entgegen. So wurde sie als Geste der Unterwerfung gedeutet und Bismarcks Zahlungen an den König als Bestechung angesehen. Sogar beide Weltkriege soll Ludwigs Verhalten nach manchen Beobachtern letztendlich ausgelöst haben.

Ludwigs Befürworter sahen jedoch in den finanziellen Zuwendungen eine durchaus angemessene Entschädigung für den Verzicht auf die Souveränität Bayerns.

Ludwig II. betrachtete sich in späteren Jahren selbstkritisch als preußischen Präfekten, wie er in einem Brief an Richard Wagner schrieb. Der bayerische König musste hinnehmen, dass er politisch nur noch eine Statistenrolle innehatte. Aus der Politik zog er sich immer mehr zurück und begab sich in die Traumwelt seiner prächtigen Schlösser wie Neuschwanstein oder Linderhof.

Ludwigs Tod

Während Otto von Bismarck die Geschicke des Deutschen Reiches bestimmte, nahm es mit Ludwig II. kein gutes Ende. Aufgrund eines ärztlichen Gutachtens erfolgte am 9. Juni 1886 die Entmündigung des Königs. So hielten ihn die Mediziner für unheilbar geisteskrank und unter Realitätsverlust leidend.

Diesem Ereignis vorausgegangen war die Weigerung des bayerischen Kabinetts, dem König eine Bürgschaft von sechs Millionen Mark zu gewähren. Einige Historiker vertreten die Ansicht, dass die ständigen finanziellen Forderungen Ludwigs der Hauptgrund für seine Entmündigung waren.

Noch einmal wandte sich Ludwig II. hilfesuchend an Bismarck. Der Reichskanzler empfahl dem König am 14. April 1886 schriftlich, seinen Ministern zu befehlen, die gewünschte Summe beim bayerischen Landtag zu beantragen. Ludwig verlangte dann auch vom Landtag die Vorlage des Anliegens. Vom Ministerium wurde jedoch seine Entmündigung eingeleitet und Prinzregent Luitpold übernahm schließlich anstelle des Königs die Amtsgeschäfte.

Am 13. Juni 1886 ertrank Ludwig zusammen mit seinem Arzt Bernhard von Gudden unter ungeklärten Umständen im Starnberger See. Bis heute gibt es viele Gerüchte darüber, ob der König womöglich bei einem Fluchtversuch ermordet wurde.